Kinder mit drei „genetischen Eltern“: Großbritannien eröffnet die Debatte

Die britische Regierung unterstützt eine Technik zur künstlichen Befruchtung, mit deren Hilfe die Übertragung bestimmter genetischer Krankheiten durch den Einsatz der DNA von drei Personen ausgeschlossen werden kann

By Solis Invicti

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Weltweit wurde von der Presse die Entscheidung des Britischen Staatssekretariats für Gesundheit veröffentlicht, in der es seine Unterstützung für die künstliche Befruchtungstechnik kundgibt, bei der die DNA von drei Personen verwendet wird, um die Übertragung genetischer mitochondrialer Krankheiten von Müttern auf Kinder auszuschließen. Die mitochondrialen Erkrankungen gehören zu den sog. „seltenen Krankheiten“ und entwickeln sich, weil ihre Mitochondrien – die sog. Kraftwerke der Körperzellen – einen Defekt aufweisen.

Die Debatte hat nicht lange auf sich warten lassen, weshalb auch gleich mehrere Fragen hinsichtlich dieser Behandlung aufgetaucht sind. Mithilfe unserer wissenschaftlichen Leiterin, Rita Vassena, sowie unsere ärztlichen Leiterin, Amelia Rodríguez, möchten wir im Blog von Eugin die Antworten auf einige dieser Fragen geben.

Wie genau erfolgt diese Behandlung?

Ziel dieser künstlichen Befruchtungstechnik ist die Ausschließung derjenigen genetischen Information der Mutter, die Teile der Zelle enthält, welche für die Übertragung dieser Art von Krankheiten verantwortlich ist. Dazu ist die Eizelle einer Spenderin erforderlich, auf die das komplette genetische Material der Mutter übertragen wird, mit Ausnahme der Mitochondrien. Auf diese Art und Weise bekommt man eine gesunde Eizelle, die das ganze menschliche Genom der Mutter enthält, während die Spenderin nur die Mitochondrien zurückbehält. Diese Eizelle wird dann später mit dem Samen des Mannes durch eine In-vitro-Fertilisation befruchtet. Der aus dieser bahnbrechenden Befruchtungstechnik resultierende Embryo wird so die DNA von drei verschiedenen Personen haben.

Von wem stammt das Kind genetisch gesehen ab?

Obwohl in der Schöpfung des Embryos die genetische Information von drei Personen mit einbezogen ist, spielt hier der von der Eizellenspenderin eingebrachte Teil nur eine äußerst geringe Rolle. Während die Eltern für ca. 20.000 vererbte Gene verantwortlich sind, trägt die Spenderin hier nur mit 37 Genen ihrer mitochondrialen DNA bei.

Wer kann diese künstliche Befruchtungstechnik in Anspruch nehmen?

Diese Technik ist für Frauen gedacht, die an mitochondrialen Krankheiten leiden. Ihre mitochondriale DNA ist defekt und kann deshalb zu Krankheiten führen. Mithilfe dieser Technik verhindert man, daß diese defekten genetischen Informationen von der Mutter auf das Kind übertragen werden.

Wird diese Technik zum ersten Mal eingesetzt?

Diese Befruchtungstechnik wird zum ersten Mal bei Menschen eingesetzt, um mitochondriale Krankheiten zu verhindern; bei Tieren findet sie jedoch bereits seit 25 Jahren Anwendung.

Wann wird sie in Großbritannien zugelassen?

Auch wenn das Britische Staatssekretariat für Gesundheit bereits seine Unterstützung für die Übertragung der mitochondrialen DNA zugesagt hat, so geht man davon aus, daß die Einführung nicht vor Ablauf 2014 in Kraft treten wird.

Was bedeutet diese Technik für Familien, die unter mitochondrialen Krankheiten leiden?

Sie stellt für alle Frauen, die unter einer solchen Krankheit leiden, eine entscheidende Wende dar, da sie damit Kinder mit ihrer gleichen genetischen Information haben können, jedoch ohne die Gefahr, ihre Krankheit auf die Kinder zu übertragen.

Wie viele Personen sind von diesen Erkrankungen betroffen?

Die mitochondrialen Erkrankungen gehören zu den sog. „seltenen Krankheiten“, weshalb sie in der Bevölkerung nur bei einem geringen und je nach den befragten Quellen variablen Prozentsatz von Personen in Erscheinung treten. Man geht davon aus, daß von 5.000-10.000 Geburten ein Kind an dieser Art von Erkrankungen leidet.

Wie sehen die Symptome aus?

 Es handelt sich üblicherweise um progressiv auftretende Erkrankungen, die sich gleichzeitig auf mehrere Organe auswirken. Sie werden mehrheitlich im Kindesalter diagnostiziert; bei 50% treten sie im ersten Lebensjahr auf und gehen einher mit einer hohen Sterblichkeitsrate. Sie können jedes Organ in Mitleidenschaft ziehen, wirken sich aber hauptsächlich auf die Muskeln, das Herz, die Nieren, die Bauchspeicheldrüse, die Leber und das zentrale Nervensystem sowie die Netzhaut aus.

2013-07-10T11:37:02+00:0010 Juli 2013|Über assistierte Reproduktion|
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