Adipositas

Wie beeinflusst Adipositas die Fruchtbarkeit?

Veröffentlicht: 22 April 2026|Aktualisiert: 22 April 2026|Über assistierte Reproduktion.|

Adipositas ist ein globales Gesundheitsproblem, das Millionen von Menschen weltweit  betrifft. Neben den bekannten Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit, wie einem  erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und bestimmte  Krebsarten, hat Adipositas auch einen erheblichen Einfluss auf die reproduktive  Gesundheit – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. 

  • Adipositas kann die Fruchtbarkeit sowohl bei Männern als auch bei Frauen  beeinträchtigen.
  • Bei Männern kann ein erhöhter BMI die Spermienqualität und die embryonale  Entwicklung beeinflussen.
  • Laut aktuellen Studien wurde ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten festgestellt,  wenn der Mann adipös ist.
  • Bei Frauen kann sie die Qualität der Eizellen, die Implantation und die Erfolgsrate  bei IVF reduzieren.
  • Zudem erhöht sie das Risiko von Komplikationen während der Schwangerschaft.
  • Das Gewicht beider Partner beeinflusst die reproduktiven Ergebnisse.

Der Einfluss männlicher Adipositas auf die Fruchtbarkeit

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht von der Eugin-Gruppe in der Fachzeitschrift Fertility  and Sterility, untersuchte, wie der Body-Mass-Index (BMI) des Mannes die frühe 

embryonale Entwicklung und die klinischen Ergebnisse in Eizellspendezyklen  beeinflusst. Die Ergebnisse sind aufschlussreich und unterstreichen die Bedeutung des  Körpergewichts als entscheidenden Faktor in der assistierten Reproduktion. 

Während die Auswirkungen weiblicher Adipositas auf die Fruchtbarkeit umfassend  untersucht wurden, hat die männliche Adipositas bislang weniger Aufmerksamkeit  erhalten. Diese Studie zeigt jedoch, dass ein erhöhter BMI bei Männern die frühe  embryonale Entwicklung negativ beeinflussen und das Risiko für Fehlgeburten  erhöhen kann. 

Die Forschenden analysierten mehr als 7.800 Embryonen aus 1.398 Zyklen der  intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) im Rahmen von Eizellspenden. Dabei  zeigte sich, dass Embryonen von adipösen Männern in den frühen Stadien der  Zellteilung eine verzögerte Entwicklung aufwiesen. Zudem wiesen die daraus  entstandenen Blastozysten eine geringere Qualität der inneren Zellmasse auf, was  ihre weitere Entwicklung beeinträchtigen könnte. 

Obwohl die Befruchtungs- und Blastozystenbildungsraten zwischen normalgewichtigen,  übergewichtigen und adipösen Männern ähnlich waren, lagen die Implantations- und  klinischen Schwangerschaftsraten bei Paaren mit adipösen Männern etwas niedriger.  Besonders besorgniserregend ist, dass die Fehlgeburtsraten bei diesen Paaren  signifikant höher waren, was darauf hindeutet, dass männliche Adipositas kumulative  Effekte auf die Lebensfähigkeit des Embryos und dessen weitere Entwicklung haben  kann.  

Warum beeinflusst männliche Adipositas die Spermien?

Männliche Adipositas kann die Fruchtbarkeit und reproduktive Ergebnisse über  verschiedene Mechanismen beeinträchtigen. Männer mit erhöhtem BMI weisen häufig  eine verminderte Spermienqualität auf, darunter ein geringeres Ejakulatvolumen  (Hypospermie), eine reduzierte Spermienkonzentration (Oligozoospermie), eine  verminderte Spermienbeweglichkeit (Asthenozoospermie) sowie eine erhöhte  Fragmentierung der Spermien-DNA. Diese Faktoren können die genetische Integrität  der Spermien beeinträchtigen, was wiederum die embryonale Entwicklung  beeinflussen und das Risiko chromosomaler Anomalien erhöhen kann, die zu  Fehlgeburten führen können.  

Darüber hinaus kann männliche Adipositas hormonelle Veränderungen verursachen,  wie erhöhte Östrogenspiegel und reduzierte Testosteronwerte, was sich negativ auf  die Produktion und Qualität der Spermien auswirkt. Es wurde auch gezeigt, dass 

überschüssiges Körperfett, insbesondere im Bauch- und Oberschenkelbereich, die  Hodentemperatur erhöhen kann, was die Spermatogenese und die Spermienqualität  beeinträchtigt. 

Wie beeinflusst weibliche Adipositas die Fruchtbarkeit?

Auch weibliche Adipositas hat einen erheblichen Einfluss auf die reproduktiven  Ergebnisse – sowohl bei natürlicher Empfängnis als auch bei assistierten  Reproduktionstechniken. Frauen mit erhöhtem BMI zeigen häufig eine verminderte  ovarielle Reaktion, eine reduzierte Qualität der Eizellen und Embryonen sowie eine  beeinträchtigte endometriale Rezeptivität. Diese Faktoren führen zu niedrigeren  Erfolgsraten bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) und zu einem erhöhten Risiko für  Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes  und Frühgeburt. 

Darüber hinaus haben adipöse Frauen ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, selbst  wenn euploide Embryonen (mit normaler Chromosomenzahl) transferiert werden. Dies  deutet darauf hin, dass Adipositas das uterine Umfeld negativ beeinflussen kann,  wodurch Implantation und embryonale Entwicklung erschwert werden. Chronische  Entzündungen, oxidativer Stress und metabolische Veränderungen gehören zu den  möglichen Mechanismen, die diese Effekte erklären.  

Die Bedeutung der Berücksichtigung von Adipositas bei beiden Partnern

Die Ergebnisse dieser von der Eugin-Gruppe durchgeführten Studie sowie weiterer  ähnlicher Untersuchungen unterstreichen, wie wichtig es ist, den BMI beider Partner bei  der Planung von Behandlungen der assistierten Reproduktion zu berücksichtigen.  Adipositas beeinflusst nicht nur die Qualität von Eizellen und Spermien, sondern kann  auch die embryonale Entwicklung beeinträchtigen und das Risiko von  Schwangerschaftskomplikationen erhöhen. 

Daher ist es für Paare mit Kinderwunsch – besonders für jene, die eine  Fruchtbarkeitsbehandlung planen – wichtig, eine Gewichtsreduktion als  Möglichkeit zur Verbesserung ihrer Erfolgschancen zu berücksichtigen.  

Gesundheitsfachkräfte sollten das Gewichtsmanagement als integralen Bestandteil der  reproduktiven Betreuung einbeziehen und Beratung zu Ernährung, körperlicher  Aktivität und Lebensstiländerungen anbieten. Zudem ist es wichtig, dass Patientinnen 

und Patienten verstehen, dass Adipositas nicht nur ihre allgemeine Gesundheit, sondern  auch ihre Fähigkeit, schwanger zu werden und eine gesunde Schwangerschaft  auszutragen, beeinträchtigt.

Möchten Sie verstehen, wie sich dies auf Ihren Fall auswirken kann?

Wenn Sie versuchen, schwanger zu werden und sich Sorgen machen, wie Ihr Gewicht  Ihre Fruchtbarkeit beeinflussen könnte, kann eine ärztliche Beratung helfen, Ihre  Situation individuell zu klären und zu bewerten. 

Bei Eugin bieten wir Ihnen eine kostenlose Erstberatung an, bei der unser Team Ihren Fall  analysiert und Sie – falls erforderlich – zu den für Sie am besten geeigneten  Untersuchungen oder Behandlungen berät.

Dr. Rafael Lafuente, Leiter des Andrologielabors bei Eugin Barcelona

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