Adipositas ist ein globales Gesundheitsproblem, das Millionen von Menschen weltweit betrifft. Neben den bekannten Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit, wie einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und bestimmte Krebsarten, hat Adipositas auch einen erheblichen Einfluss auf die reproduktive Gesundheit – sowohl bei Männern als auch bei Frauen.
- Adipositas kann die Fruchtbarkeit sowohl bei Männern als auch bei Frauen beeinträchtigen.
- Bei Männern kann ein erhöhter BMI die Spermienqualität und die embryonale Entwicklung beeinflussen.
- Laut aktuellen Studien wurde ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten festgestellt, wenn der Mann adipös ist.
- Bei Frauen kann sie die Qualität der Eizellen, die Implantation und die Erfolgsrate bei IVF reduzieren.
- Zudem erhöht sie das Risiko von Komplikationen während der Schwangerschaft.
- Das Gewicht beider Partner beeinflusst die reproduktiven Ergebnisse.
Der Einfluss männlicher Adipositas auf die Fruchtbarkeit
Eine aktuelle Studie, veröffentlicht von der Eugin-Gruppe in der Fachzeitschrift Fertility and Sterility, untersuchte, wie der Body-Mass-Index (BMI) des Mannes die frühe
embryonale Entwicklung und die klinischen Ergebnisse in Eizellspendezyklen beeinflusst. Die Ergebnisse sind aufschlussreich und unterstreichen die Bedeutung des Körpergewichts als entscheidenden Faktor in der assistierten Reproduktion.
Während die Auswirkungen weiblicher Adipositas auf die Fruchtbarkeit umfassend untersucht wurden, hat die männliche Adipositas bislang weniger Aufmerksamkeit erhalten. Diese Studie zeigt jedoch, dass ein erhöhter BMI bei Männern die frühe embryonale Entwicklung negativ beeinflussen und das Risiko für Fehlgeburten erhöhen kann.
Die Forschenden analysierten mehr als 7.800 Embryonen aus 1.398 Zyklen der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) im Rahmen von Eizellspenden. Dabei zeigte sich, dass Embryonen von adipösen Männern in den frühen Stadien der Zellteilung eine verzögerte Entwicklung aufwiesen. Zudem wiesen die daraus entstandenen Blastozysten eine geringere Qualität der inneren Zellmasse auf, was ihre weitere Entwicklung beeinträchtigen könnte.
Obwohl die Befruchtungs- und Blastozystenbildungsraten zwischen normalgewichtigen, übergewichtigen und adipösen Männern ähnlich waren, lagen die Implantations- und klinischen Schwangerschaftsraten bei Paaren mit adipösen Männern etwas niedriger. Besonders besorgniserregend ist, dass die Fehlgeburtsraten bei diesen Paaren signifikant höher waren, was darauf hindeutet, dass männliche Adipositas kumulative Effekte auf die Lebensfähigkeit des Embryos und dessen weitere Entwicklung haben kann.
Warum beeinflusst männliche Adipositas die Spermien?
Männliche Adipositas kann die Fruchtbarkeit und reproduktive Ergebnisse über verschiedene Mechanismen beeinträchtigen. Männer mit erhöhtem BMI weisen häufig eine verminderte Spermienqualität auf, darunter ein geringeres Ejakulatvolumen (Hypospermie), eine reduzierte Spermienkonzentration (Oligozoospermie), eine verminderte Spermienbeweglichkeit (Asthenozoospermie) sowie eine erhöhte Fragmentierung der Spermien-DNA. Diese Faktoren können die genetische Integrität der Spermien beeinträchtigen, was wiederum die embryonale Entwicklung beeinflussen und das Risiko chromosomaler Anomalien erhöhen kann, die zu Fehlgeburten führen können.
Darüber hinaus kann männliche Adipositas hormonelle Veränderungen verursachen, wie erhöhte Östrogenspiegel und reduzierte Testosteronwerte, was sich negativ auf die Produktion und Qualität der Spermien auswirkt. Es wurde auch gezeigt, dass
überschüssiges Körperfett, insbesondere im Bauch- und Oberschenkelbereich, die Hodentemperatur erhöhen kann, was die Spermatogenese und die Spermienqualität beeinträchtigt.
Wie beeinflusst weibliche Adipositas die Fruchtbarkeit?
Auch weibliche Adipositas hat einen erheblichen Einfluss auf die reproduktiven Ergebnisse – sowohl bei natürlicher Empfängnis als auch bei assistierten Reproduktionstechniken. Frauen mit erhöhtem BMI zeigen häufig eine verminderte ovarielle Reaktion, eine reduzierte Qualität der Eizellen und Embryonen sowie eine beeinträchtigte endometriale Rezeptivität. Diese Faktoren führen zu niedrigeren Erfolgsraten bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) und zu einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes und Frühgeburt.
Darüber hinaus haben adipöse Frauen ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, selbst wenn euploide Embryonen (mit normaler Chromosomenzahl) transferiert werden. Dies deutet darauf hin, dass Adipositas das uterine Umfeld negativ beeinflussen kann, wodurch Implantation und embryonale Entwicklung erschwert werden. Chronische Entzündungen, oxidativer Stress und metabolische Veränderungen gehören zu den möglichen Mechanismen, die diese Effekte erklären.
Die Bedeutung der Berücksichtigung von Adipositas bei beiden Partnern
Die Ergebnisse dieser von der Eugin-Gruppe durchgeführten Studie sowie weiterer ähnlicher Untersuchungen unterstreichen, wie wichtig es ist, den BMI beider Partner bei der Planung von Behandlungen der assistierten Reproduktion zu berücksichtigen. Adipositas beeinflusst nicht nur die Qualität von Eizellen und Spermien, sondern kann auch die embryonale Entwicklung beeinträchtigen und das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen erhöhen.
Daher ist es für Paare mit Kinderwunsch – besonders für jene, die eine Fruchtbarkeitsbehandlung planen – wichtig, eine Gewichtsreduktion als Möglichkeit zur Verbesserung ihrer Erfolgschancen zu berücksichtigen.
Gesundheitsfachkräfte sollten das Gewichtsmanagement als integralen Bestandteil der reproduktiven Betreuung einbeziehen und Beratung zu Ernährung, körperlicher Aktivität und Lebensstiländerungen anbieten. Zudem ist es wichtig, dass Patientinnen
und Patienten verstehen, dass Adipositas nicht nur ihre allgemeine Gesundheit, sondern auch ihre Fähigkeit, schwanger zu werden und eine gesunde Schwangerschaft auszutragen, beeinträchtigt.
Möchten Sie verstehen, wie sich dies auf Ihren Fall auswirken kann?
Wenn Sie versuchen, schwanger zu werden und sich Sorgen machen, wie Ihr Gewicht Ihre Fruchtbarkeit beeinflussen könnte, kann eine ärztliche Beratung helfen, Ihre Situation individuell zu klären und zu bewerten.
Bei Eugin bieten wir Ihnen eine kostenlose Erstberatung an, bei der unser Team Ihren Fall analysiert und Sie – falls erforderlich – zu den für Sie am besten geeigneten Untersuchungen oder Behandlungen berät.
Dr. Rafael Lafuente, Leiter des Andrologielabors bei Eugin Barcelona