Vitrifizierte Eizellen erhalten ihre Qualität lange Zeit intakt

Veröffentlicht: 20 September 2022|Aktualisiert: 20 September 2022|Über assistierte Reproduktion.|
  • Die Studie zeigt keinen Unterschied in der Überlebens- und Befruchtungsrate von vitrifizierten Eizellen, die 4 bis 8 Jahre lang gelagert wurden, im Vergleich zu solchen mit einer kürzeren Lagerungszeit. Auch die Schwangerschafts- und Geburtenraten blieben unverändert hoch.
  • In der Studie wurden mehr als 5.000 In-Vitro-Fertilisationszyklen bei Patientinnen mit zuvor vitrifizierten Spende-Eizellen analysiert.
  • Durch das Einfrieren oder die Vitrifizierung von Eizellen können die reifen Eizellen einer Frau für eine spätere Verwendung aufbewahrt werden, und zwar mit der gleichen Schwangerschaftswahrscheinlichkeit wie zum Zeitpunkt der Behandlung.
  • Eugin hat auf dem Kongress ESHRE 2022 insgesamt sechs neue Studien vorgestellt, die darauf abzielen, die Qualität der Eizellen von Frauen zu verbessern. Einige dieser Studien haben neue Aufschlüsse über Eizellen und ihre Prozesse vermittelt.

Die Forscher der Kinderwunschklinik Eugin haben bestätigt, dass Eizellen, die über einen langen Zeitraum, also zwischen 4 und 8 Jahren, vitrifiziert werden, ihre Qualität nicht verlieren. Für die Studie wurden mehr als 5.000 In-Vitro-Fertilisationszyklen bei Patientinnen mit zuvor vitrifizierten Spende-Eizellen analysiert.

Die Erkenntnisse der Studie wurden auf dem 38. Jahreskongress der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) vorgestellt, der vom 3.-6. Juli in Mailand stattfand. Nach Auswertung einer Vielzahl von Variablen konnten weder bei der Überlebens- noch bei der Befruchtungsrate Unterschiede zwischen Eizellen mit einer Lagerungsdauer von 4 bis 8 Jahren und solchen mit einer kürzeren Lagerungsdauer festgestellt werden. Auch die Schwangerschafts- und Geburtenraten blieben unverändert hoch.

„Derzeit ist die Vitrifikation von Eizellen die effektivste Methode zum Einfrieren von Eizellen und zur Erhaltung der Fruchtbarkeit. Da es sich aber um eine vergleichsweise neue Technik handelt, die erst seit etwa 10 Jahren regelmäßig angewendet wird, waren die Auswirkungen der langfristigen Lagerung von Eizellen in Stickstoffbanken noch nicht geklärt“, so Dr. Marc Torra-Massana, Biologe bei Eugin und leitender Forscher der Studie.

Bei der Vitrifikation von Eizellen kommt die Methode des Schockfrostens zum Einsatz, bei dem die Eizellen bei -196 °C in flüssigen Stickstoff eingetaucht werden. Auf diese Weise bleiben die Zellen bis zum Zeitpunkt ihrer Verwendung auf unbestimmte Zeit unverändert erhalten. Bei Eugin werden die Eizellen in hochmodernen Behältern mit Stickstoff in der Dampfphase aufbewahrt.

Vitrifikation von Eizellen zur Erhaltung der Fruchtbarkeit

Das Einfrieren bzw. die Vitrifikation von Eizellen wird angewendet, um die Fruchtbarkeit der Frau zu erhalten. Mithilfe dieser Technik können die reifen Eizellen einer Frau für eine zukünftige Verwendung aufbewahrt werden, und zwar mit der gleichen Schwangerschaftswahrscheinlichkeit wie zum Zeitpunkt der Behandlung. So könnte eine Frau ihre Eizellen mit 29 Jahren vitrifizieren lassen und dann mit 40 Jahren verwenden. Dabei bleiben ihre Schwangerschaftschancen zum Zeitpunkt der Vitrifikation erhalten.

Die Vitrifikation von Eizellen kommt aus medizinischen Gründen zum Einsatz, etwa bei Patientinnen, die sich sehr aggressiven Behandlungen wie Krebstherapien oder gynäkologischen Eingriffen unterziehen. Ein weiteres Einsatzfeld ist gegeben, wenn sich eine Frau aus persönlichen Gründen entschließt, ihre Mutterschaft aufzuschieben.

Das Verfahren wird in der Regel bei Frauen bis 40 Jahren angewendet, die in der Zukunft Mutter werden wollen. Die Erfolgsquote der Vitrifikationsbehandlung variiert nach dem Alter der Frau zum Zeitpunkt der Schockfrostung: je jünger das Alter dessen Fruchtbarkeit erhalten wird, desto besser die Aussichten. Aus diesem Grund ist eine Vitrifikation unter 35 Jahren besonders empfehlenswert.

„Die Ergebnisse dieser Studie, an der wir von 2013 bis 2021 acht Jahre lang gearbeitet haben, geben neue Aufschlüsse über die Vitrifikation bei der Kryokonservierung von Eizellen. Wir wissen nun, dass diese Technik für junge Patientinnen geeignet ist, die ihre Eizellen über einen längeren Zeitraum erhalten müssen. Gleichzeitig eröffnet sie neue Perspektiven für Eizellspendeprogramme, die in unserer heutigen Gesellschaft immer mehr in den Mittelpunkt rücken“, so Torra-Massana.

Erkenntnisse zur Verbesserung der Eizellqualität

Eugin hat auf dem Kongress ESHRE 2022 insgesamt sechs neue Studien vorgestellt. Einige dieser Studien haben neue Aufschlüsse über Eizellen und die mit ihnen verbundenen Prozesse vermittelt. Hierbei sollen die Fortschritte bei der Verbesserung der Eizellqualität von Frauen wissenschaftlich beleuchtet werden, um den gesellschaftlichen Anforderungen im Zusammenhang mit dem Aufschub der Mutterschaft gerecht zu werden.

In einer der Arbeiten unter der Leitung der Eugin-Forscherin Sara Pietroforte wird der bislang wenig erforschte Prozess des Spleißens untersucht, der für die Regulierung von Genen verantwortlich ist. Die Studie zeigt, dass der Prozess eine grundlegende Rolle in den letzten Phasen der Reifung der Eizelle spielt, die ihrerseits für die Gewinnung hochwertiger Embryonen entscheidend ist.

Dr. Filippo Zambelli zeigt in seiner Studie, dass der Stoffwechsel der Eizellen von Frauen mit einem hohen Reproduktionsalter eine geringere Aktivität aufweist als der von Eizellen jüngerer Frauen. Das Ergebnis ist ein geringerer Reifungsgrad. Diese Erkenntnis eröffnet neue Perspektiven zur Verbesserung der Eizellen älterer Frauen.

Klinische Praxis mit Mosaik-Embryonen

Die von der Eugin-Forscherin Mina Popovic geleitete Studie eröffnet eine neue Sichtweise über die klinische Arbeit mit Mosaikembryonen. Diese Embryonen weisen eine Mischung aus normalen und anormalen Zellen auf und können folglich nicht als vollkommen geeignet oder ungeeignet eingestuft werden. Ihre Verwendung hängt von der Entscheidung der Kliniken und der Patientinnen ab. Da bislang kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über diese Embryonen vorliegen, werden nur 10 % von ihnen verwendet.

An Popovics Studie nahmen 18 assistierte Reproduktionszentren und acht Diagnoselabors für Embryoanomalien (PGT-A) aus fünf Ländern (Brasilien, USA, Spanien, Argentinien und Belgien) teil, und es wurden insgesamt 36.395 Analysen ausgewertet. Die Studie zeigt, dass die verschiedenen Labors unterschiedliche Kriterien für die Diagnose von Mosaikembryonen verwenden. Dieser Umstand verringert die Erfolgschancen einer assistierten Reproduktionstherapie, da Mosaikembryonen in den meisten Fällen aus Vorsicht verworfen werden.

Die Autoren plädieren für weitere Untersuchungen auf diesem Gebiet, empfehlen aber gleichzeitig, die Klassifizierung in der klinischen Praxis nicht mehr zu verwenden. „Die Auswirkungen der Analysetechniken im Zusammenhang mit Mosaikembryonen sowie die Interpretation der Ergebnisse sind bislang noch nicht geklärt. Aufgrund der unterschiedlichen Kriterien unter den Testlabors führt eine Mosaizismus-Diagnose häufig zu Missverständnissen und könnte in ihrer jetzigen Form die Erfolgsaussichten einer Kinderwunschbehandlung verschlechtern. Das gilt besonders für Frauen mit sehr wenigen Embryonen“, so Popovic.

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