Können HIV-diskordante Paare Kinder haben?
Können HIV-diskordante Paare Kinder haben?
Dank fortschreitender Erkenntnisse und verfügbarer Medikamente gegen den Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) kommen HIV-infizierte Menschen heutzutage in den Genuss einer höheren Lebensqualität. Für viele Paare in dieser Situation gehört dazu natürlicherweise auch die Überlegung, Kinder zu haben und eine Familie zu gründen.
WENN DER MANN HIV-POSITIV IST
Paare, bei denen der Mann HIV-positiv ist, können auf künstliche Befruchtung zurückgreifen, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Auf diese Art lässt sich das Risiko einer Infektionsübertragung sowohl für die Frau als auch für den Fötus verringern.
In diesem Fall werden die beweglichen Spermien von den übrigen Bestandteilen des Samens getrennt, um die in der Samenflüssigkeit enthaltenen HIV-Viren auszusondern. Gleichzeitig erhöht sich dadurch die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung, da die Konzentration an beweglichen Spermien sehr hoch ist.
Bei der künstlichen Befruchtung handelt es sich um eine Methode, die schon seit geraumer Zeit bei der Behandlung von Fruchtbarkeitsproblemen zur Anwendung kommt. Sie basiert also auf umfassenden Erfahrungen.
Seit einigen Jahren wird diese Technik in HIV-Fällen erfolgreich in Kombination mit der Samenwäsche eingesetzt. Theoretisch besteht auch hier ein Infektionsrisiko, doch die bis dato gesammelten Erfahrungen weisen keine einzige HIV-Konversion der Frau oder eine Infektion des Fötus auf.
Um die Wirksamkeit der Behandlung zu erhöhen und die Anzahl der erforderlichen Befruchtungen gering zu halten, wird der Zyklus der Frau pharmakologisch beeinflusst. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft liegt nach zwei bis drei Versuchen zwischen 50% und 60%.
Voraussetzungen für die künstliche Befruchtung
Auf der Seite des Mannes muss der Infektionsprozess stabil sein. In jüngerer Vergangenheit darf also keine Krankheit diagnostiziert worden sein und der allgemeine Gesundheitszustand muss gut sein.
Beide Partner müssen vor der Durchführung einer künstlichen Befruchtung eine Reihe an Untersuchungen absolvieren, um ihren Gesundheitszustand zu ermitteln und etwaige, bisher unbekannte Ursachen für eine Sterilität zu identifizieren.
Sollte eine Sterilität vorliegen, müssen unter Umständen andere Methoden der künstlichen Befruchtung wie die In-vitro-Fertilisation angewandt werden.
WENN DIE FRAU HIV-POSITIV IST ODER BEIDE HIV-INFIZIERT SIND
Es sollte unbedingt bedacht werden, dass das Risiko einer Infektionsübertragung auf das Kind zwischen 15% und 20% liegt, wenn eine HIV-infizierte Schwangere nicht angemessen behandelt und überwacht wird.
In den letzten Jahren hat der Einsatz wirksamer AIDS-Medikamente, die Kombination aus genauen Verhaltensregeln und antiretroviralen Medikamenten und eine genaue Überwachung der Schwangerschaft sowie der Geburt das Infektionsrisiko auf weniger als 1% gesenkt. Die eingesetzten Medikamente sind jedoch potentielle Teratogene (d.h. sie können bei Neugeborenen zu Fehlbildungen führen) und ihr Einsatz während der Schwangerschaft erfordert eine ganz spezielle Kontrolle.
Damit eine Schwangerschaft unter diesen Umständen so risikofrei wie möglich verläuft, muss die Krankheitsentwicklung bei der Frau stabil sein. Auf diese Art können Änderungen in der medikamentösen Behandlung von denen abzuraten ist sowie das Auftreten von Infektionen weitmöglichst vermieden werden.
Liegen keine anderen Ursachen für eine Sterilität vor, bietet sich die künstliche Befruchtung an. Dafür werden entweder frische oder, wenn auch der Mann HIV-positiv ist, gewaschene Samen verwendet.
Voraussetzungen, damit eine Schwangerschaft unter diesen Umständen so risikoarm wie möglich ist
- Die Frau sollte so gesund wie möglich sein, bevor sie sich für eine Schwangerschaft entscheidet.
- Sie sollte die mit ihrer medikamentösen Behandlung einhergehenden Risiken kennen und soweit möglich Behandlungsarten vermeiden, die ein erhöhtes Risiko für den Fötus darstellen.
- Sowohl bei dem Mann als auch bei der Frau muss der Infektionsverlauf stabil sein. Bei keinem der beiden darf also in letzter Zeit eine Krankheit vorgelegen haben.
- Ist der Mann nicht HIV-infiziert, ist es ratsam, auf die künstlichen Befruchtung zurückzugreifen, um eine Ansteckung des Mannes zu vermeiden.
Ratschläge für Paare mit Kinderwunsch in dieser Situation
Ratschläge für Paare mit Kinderwunsch, bei denen einer der beiden Partner HIV-positiv ist. Paare, bei denen einer oder beide HIV-infiziert sind, müssen sich darüber im Klaren sein, dass ihr Kinderwunsch eine besondere Behandlung erfordert, um ihre Gesundheit und die Gesundheit des Neugeborenen zu gewährleisten. Konkret umfasst diese Behandlung vier Aspekte:
- Stabilisierung der zugrunde liegenden Krankheit und Kontrolle durch einen Spezialisten.
- Fortpflanzungsberatung, um die Schwangerschaft unter möglichst günstigen Umständen stattfinden zu lassen oder, falls nötig, von einer Schwangerschaft abzuraten.
- Künstliche Befruchtung mit von HIV gewaschenen Samen.
- Methoden zur künstlichen Fortpflanzung, falls bei dem Paar eine Sterilität vorliegt.
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